Heimtierfutter nach dem neuen EU-Bio-Recht (2018/848)

Vor dem 01.01.2009 war Heimtierfutter im Geltungsbereich der alten EG-Verordnung (VO 2092/91) ausdrücklich ausgenommen. Eine Bio-Zertifizierung war daher nur auf privatrechtlicher Basis möglich ohne Bezug zur EG-Öko-Verordnung. Dennoch hat sich ein Markt für diese Produkte entwickelt, der zwischenzeitlich auch für die Vermarktungskette von Bio-Erzeugnissen bedeutend ist.

  1. Bisheriges Recht: In den Durchführungsbestimmungen 889/2008 zur EG-Öko-VO 834/2007, die seit dem 01.01.2009 gültig ist, wird Heimtierfutter erstmalig positiv genannt. Damit fällt Heimtierfutter unter den Anwendungsbereich der EG-Öko-VO. Gemäß Artikel 95, Absatz 5 der DFB 889/2008 ist eine Bio-Auslobung nur noch möglich unter Anwendung eines national anerkannten oder von den Mitgliedstaaten akzeptierten oder anerkannten privatwirtschaftlichen Standards. Da ein solcher Standard bislang weder in Deutschland noch international existierte, wurde vom Prüfverein Verarbeitung für ökologische Landbauprodukte e.V. (heute Prüfgesellschaft Ökologischer Landbau mbH) im Rahmen des Förderprogramms „Bundesprogramm ökologischer Landbau“ mit Hilfe von Literaturrecherchen und einem breiten Kreis von Fachexperten ein Standard für Bio-Heimtierfutter entwickelt. Dieser wurde den zuständigen Behörden des Bundes und der Länder vorgelegt und ist seit 2009 als Mindeststandard in Deutschland akzeptiert. Aufgrund von futtermittelrechtlichen Änderungen sowie der Notwendigkeit Taurin als Futtermittelzusatz für Katzenfutter aufzunehmen, wurde der Standard 2015 aktualisiert und ist mittlerweile als Referenzstandard für den Bereich Bio-Heimtierfutter anerkannt. Darauf aufbauende Richtlinien der Landbauverbände sind wie bei Lebensmitteln ohne Einschränkungen möglich. Eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte finden Sie in unserem Leitfaden für Heimtierfutterhersteller.
  2. Heimtierfutter nach dem neuen EU-Bio-Recht (Verordnung 2018/848 und Rechtsakte): Da die neue Öko-Verordnung (EU) 2018/848 keine Ausnahme für nationale Standards für Heimtierfutter ermöglicht, können die bisherigen Standards für Heimtierfutter nicht fortgeführt werden. Bisher ist auch kein anderer Weg im neuen Bio-Recht vorgesehen, um spezielle Regeln für Heimtierfutter zu schaffen– weder in der EU noch national (siehe auch Schreiben der EU-Kommission: „There is no empowerment to establish rules on feed/pet food and no possibilities for the MS to impose additional detailed national rules.“)
    Betroffene Produkte
    – Alleinfutter für Hunde und Katzen (Trockenfutter und Nassfutter)
    – Futtermittel für Vögel, Fische und Nager in Heimtier- und Hobbyhaltung ohne Vermarktung als Lebens- oder Futtermittel
    – Futtermittel für Nutzgeflügel in Hobbyhaltung
    Die Kommission beabsichtigt, für die Herstellung von Bio-Heimtierfutter den Weg über eine Erweiterung der Anhänge für Futtermittel zu wählen. Damit wird das Erstellen und Einreichen von Dossiers sowie die Prüfung durch EGTOP notwendig und es muss ein Durchführungsrechtsakt zu Anhang III verabschiedet werden. Es ist absehbar, dass dies nicht bis zum 1.1.2022 zu schaffen sein wird. Damit der boomende Bio-Heimtiersektor nicht ab 1.1.2022 seine Bio-Produktion einstellen muss, ist unbedingt eine Übergangsregelung notwendig.
    Die Übergangsregelung muss sicherstellen, dass die Produktion nach nationalen Standards zumindest für Hunde- und Katzenfutter so lange weiter möglich ist, bis eine europäische Regelung erlassen worden ist. Ohne eine solche Übergangsregelung hat der Bio-Heimtierfutter-Sektor keine Möglichkeit zur Produktion von Alleinfutter für Hunde und Katzen in Bio-Qualität mehr.